Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi
Brigitte Kowanz | Michael Venezia
«Dialog II: Licht»

Ausstellung: 19. März 30. April 2020

Wir freuen uns, die zweite Ausstellung unserer neuen Reihe «Dialog» anzukündigen. Mit den Objekten von Brigitte Kowanz und den Malereien von Michael Venezia begegnen sich zwei Positionen, welche die Anziehungskraft des Mediums Licht und seine integrativen Möglichkeiten auf ganz unterschiedliche Weise offenbaren.

Die Doppelausstellung von Brigitte Kowanz und Michael Venezia ist die zweite unseres neuen Formats, bei dem wir zwei oder mehr Kunstschaffende zu einem bestimmten künstlerischen Thema in «Dialog» setzen. Dabei mag es überraschen, dass wir die beiden sehr unterschiedlichen Positionen unter dem Thema «Licht» vereinen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass vor allem die frühen Malereien von Michael Venezia, die präsentiert werden, stark von der Interaktion mit ihrem Umgebungslicht leben, und dass einige Lichtobjekte von Kowanz auch malerische Momente beinhalten.

Brigitte Kowanz gehört zu den international bedeutendsten Vertreterinnen der Lichtkunst. Charakteristikum ihrer Werke ist die Verbindung von Licht und Sprache zu einprägsamen Bildformeln. Dabei setzt die Künstlerin oft reflektierende Oberflächen ein, um die magische Anziehungskraft des Lichts zu verstärken, so auch in der neuen und ausgesprochen malerisch wirkenden Serie der «Reflects»: Aus Aluminium, Reflexionsfolie und Transparenzlack bestehend, lassen die Paneele gestische Bewegungen erkennen, deren Widerschein sich abhängig vom Lichteinfall und von der Position der Betrachtenden verändert. Nebst solch interaktiven Momenten dient die Reflektion bei Kowanz häufig dazu, die Aussage einer Arbeit zu pointieren – etwa bei der Bodenskulptur «Tipping Point»: Mit dem titelgebenden Ausdruck wird generell ein Kippmoment in einer zuvor gleichförmigen Bewegung bezeichnet, heute allerdings steht der Begriff häufig in Bezug auf die Klimaerwärmung – eine fatale Tatsache, welche in Kowanz’ Arbeit, in der Kombination von Leuchtschrift und Spiegel auf fast schwindelerregende Weise visualisiert wird.

Besonders freut es uns, neben diesen aktuellen Arbeiten von Kowanz auch ein Werk aus den 1990ern zu präsentieren, das, bestehend aus Glimmlampen und Verteilerstecker, die Anfänge ihrer Auseinandersetzung mit dem Medium Licht veranschaulicht.

Vorrangig auf die künstlerischen Anfänge konzentrieren wir uns bei der Werkauswahl von Michael Venezia. Wir tauchen damit ein in die Zeit der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Mit Künstlerkollegen wie Dan Flavin, Robert Ryman oder Sol LeWitt teilte Venezia damals das Anliegen, malerische Möglichkeiten nach dem Abstrakten Expressionismus zu entwickeln. Um 1967 entdeckte er als einer der ersten bildenden Künstler überhaupt die Farbsprühpistole, die das Handschriftliche des Pinselduktus nahezu eliminiert und stattdessen Luftdruck sichtbar werden lässt. Indem Venezia seine Farbsprühdosen mit einem Gemisch aus metallischen Pigmenten und Acryl- oder Ölfarbe befüllte, setzte er zudem ganz eindeutig auf die malerische Qualität des Lichtes. Offensichtlich wird das anhand der Papierarbeiten in unserer Ausstellung: Sie verändern sich optisch, je nach Lichteinfall, und erhalten so eine Dynamik, die ganz aus dem Zusammenspiel von Mitteln der Malerei und Licht entsteht.

Noch deutlicher wird dieser Aspekt in den langgezogenen Leinwänden, genannt «Bars». Diese extreme horizontale Dehnung der Bildfläche, der er bis heute treu geblieben ist, war Anfang der 1970er ein weiterer wichtiger Schritt, mit dem Venezia der Malerei neue Impulse eingab. Mit einem einzigen, langen Sprühstoss und sich entlang des «Bars» bewegend, «bemalte» der Künstler den schmalen Bildgrund. Auch von den Betrachtenden wird Fortbewegung vor dem Gemälde eingefordert, nur so können sie die ganze Vielfalt des Lichtspiels, dass sich auf dieser Oberfläche vollzieht, erleben. Einen ähnlichen Effekt erzielt der Künstler, wenn er in neueren «Block Paintings» Perlglanz einsetzt.

Nebst der Tatsache, dass Licht Grundlage unserer Wahrnehmung ist, verdeutlicht unsere zweite «Dialog»-Ausstellung somit, wie das Licht den Kunstschaffenden stets auch dazu dient, Interaktion mit ihrem Publikum herzustellen und ihm so ein unmittelbar physisches Kunsterlebnis zu ermöglichen.


Ausstellungsansichten

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi
Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi
Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi
Brigitte Kowanz | Michael Venezia «Dialog II: Licht» | Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, 2020 | Foto: Peter Baracchi

Einzelwerke | Brigitte Kowanz

Brigitte Kowanz, «www», 1995/2019 | Glimmlampen, Verteilerstecker, Acrylglas, Edelstahl | Ed. 2/20 | 18 x 36 x 10 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «Opportunity», 2017 | Neon, Spiegel | Ex. 1/3 | 90 x 90 x 19 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «Face the Fact I», 2017 | Neon, Edelstahl | Ex. 1/3 | 29 x 120 x 14 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «Authentic», 2017 | Neon, Spiegel | Ex. 1/3 | 90 x 90 x 19 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «infinity and beyond», 2017 | Neon | Ex. 2/3 | 25 x 170 x 9 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «www», 1995/2019 | Glimmlampen, Verteilerstecker, Acrylglas, Edelstahl | Ed. 1/20 | 12 x 40 x 10 cm | Foto: Mischa Scherrer VERFÜGBAR
Anfrage
Brigitte Kowanz, «Untitled», 2018 | Retroreflektierende Oberfläche, Aluminium, Lack | 60 x 160 x 3 cm | Foto: Studio Kowanz VERFÜGBAR
Anfrage

Einzelwerke | Michael Venezia

Michael Venezia, «Untitled JS16», 1968 | Acryl und Metallpulver auf Leinwand | 246 x 116.5 cm | Foto: Francesca Cirilli VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia «#819», 1972 | Acryl-Sprühfarbe auf Papier | 89 x 58 cm | Foto: Peter Baracchi VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia «Untitled MVNY #1000», 1970 | Metallpulver in Öl auf Papier | 43 x 56 cm | Foto: Peter Baracchi VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia «Untitled MVNY #836», 1971 | Metallpulver in Öl auf Papier | 51 x 66 cm | Foto: Peter Baracchi VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia «Untitled MVNY #823», 1972 | Metallpulver in Öl auf Papier | 66 x 51 cm | Foto: Peter Baracchi VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia «OW46», 2019 | Perlglanz Acrylfarbe auf Holz | 18 x 168.5 x 9 cm | Foto: Günter König VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia »OW28«, 2018 | Perlglanz Acrylfarbe auf Holz | 18 x 161.5 x 9 cm | Foto: Günter König VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia, «Untitled R78A», 1978 | Metallpulver in Öl auf Leinwand | 6.9 x 304.9 cm | Foto: Mischa Scherrer VERFÜGBAR
Anfrage
Michael Venezia, «Untitled ATI», 1973 | Metallpulver in Öl auf Leinwand, 12 x 236.8 cm | Foto: Mischa Scherrer VERFÜGBAR
Anfrage

Biografie | Michael Venezia

1935 geboren in Brooklyn, US
Kunststudium bei Peter Busa am State University College of New York in Buffalo, US
lebt und arbeitet in New York, US und Trevi, IT

Michael Venezia gilt als wichtiger Erneuerer der Malerei in den 1960er Jahren. Damals teilte er mit Künstlerkollegen wie Dan Flavin, Robert Ryman oder Sol LeWitt das Anliegen, die Routine und Selbstverliebtheit, die sich im Abstrakten Expressionismus aus ihrer Sicht mittlerweile abzeichneten, zu transzendieren und zu überwinden. Venezia fand so Ende der 1960er Jahre zur Farbsprühpistole als adäquates Mittel, um das handschriftlich-gestische des Pinselstrichs hinter sich zu lassen. Ein weiterer wichtiger Schritt Anfang der 1970er war die Reduktion der Bildfläche auf einen langen, schmalen Holzstab. Auf diesem Bildformat, dem der Künstler bis heute treu geblieben ist, erzielt er mit veränderten Techniken und mit unterschiedlichen Stabkombinationen stets neue, überraschende malerische Qualitäten.

Weitere Informationen zur Biografie finden sie hier.

Biografie | Brigitte Kowanz

1957 geboren in Wien, AT
lebt und arbeitet in Wien, AT
Seit 1997 ist Brigitte Kowanz Professorin an der Universität für angewandte Kunst, Wien, AT. 2009 wurde ihr der Große Österreichische Staatspreis für Bildende Kunst verliehen.

Brigitte Kowanz thematisiert in ihrer Arbeit die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Lichts. Neben der Sprache dient ihr das Licht als künstlerisches Gestaltungsmedium, das in Behältnissen eingefangen, auf Flächen zerstreut oder in feste Formationen gezwungen wird und so stets neue Gestalt gewinnt. Licht wird dabei zum Material und zur Metapher bei der Suche nach neuen Formen der Darstellung der sichtbaren Wirklichkeit.

Weitere Informationen zur Biografie finden sie hier. 


Pressestimmen