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    Häusler Contemporary Zürich (CH), 2026
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James Turrell
«Opus Magnum: Roden Crater»
Häusler Contemporary Zürich (CH), 2026

Ausstellung:
9. Juni – 30. September 2026 

«To get to a place where you are looking at light itself requires a suspension of time, a slowing down. Also a focus, so that it is the only aspect you are looking at.»[1] JAMES TURRELL

Das Thema «Licht» beschäftigt Künstlerinnen und Künstler seit vielen Jahrhunderten: als Metapher für Göttlichkeit und Erleuchtung in der religiösen Kunst über ein Stilmittel zur Erzeugung von Volumen, Dramatik und Emotionalität in Renaissance, Barock und Romantik bis hin zum Hauptdarstellungsgegenstand der impressionistischen Freilichtmalerei. Doch erst in der zeitgenössischen Kunst verliert das Licht seine «Funktion». In den 1960er Jahren entsteht das Light and Space Movement in Südkalifornien, das im Spannungsfeld von Minimalismus, Geometrischer Abstraktion und Op Art mittels lichtbasierter Materialien sinnliche Erfahrungsräume erforscht.

Als einer der radikalsten Künstler der zeitgenössischen Kunst erhebt James Turrell (*1943) das Licht selbst zum künstlerischen Medium. Die Materialität des Lichts – wenn das Werk aus keinem Objekt, sondern rein aus Licht und Wahrnehmung besteht – bestimmt seit über sechs Jahrzehnten sein künstlerisches Schaffen. Den Nukleus bildet der Roden Crater, eines der grössten Land Art-Projekte der Kunstgeschichte und ein Ort, in welchem Turrell über ein Netz von speziellen Räumen und Tunneln die «Kraft des Lichts zurückholt»[2]. Die Ausstellung «Opus Magnum: Roden Crater» bei Häusler Contemporary vereint ein historisches Modell, Skulpturen und Druckgraphiken, die aus den intensiven Auseinandersetzungen mit dem Roden Crater entstanden sind und eigenständige künstlerische Werke im Oeuvre von James Turrell bilden.


Sieben Monate überfliegt James Turrell, der bereits mit 16 Jahren die Fluglizenz erhält und dessen Leidenschaft fürs Fliegen gleichwohl Inspirationsquelle der Kunst wird, in seiner einmotorigen Helio Courier die USA, von Westen nach Osten, von Kanada bis zur mexikanischen Grenze, um 1974 in der weiten, offenen Landschaft der Painted Desert in Arizona den Roden Crater zu entdecken. In dem erloschenen Vulkan findet er optimale Bedingungen vor, um ein Lebenswerk zu schaffen, das «aus dem Land und seiner Beziehung zum Himmel heraus»[3] entsteht. Verborgen im Inneren des Vulkans werden seit den 1990er Jahren – und nach präzisen astronomischen und geologischen Berechnungen des studierten Mathematikers Turrell – 24 Erfahrungsräume und sechs Tunnel umgesetzt. Einmal fertiggestellt werden sie, wie der Künstler beschreibt, «ein Stück des Himmels herab[holen]»[4]. So projiziert der Roden Crater ähnlich einer architektonischen Camera Obscura das Bild von Himmelskörpern wie Sonne oder Mond in seine Räume, und bringt das Licht vom «Aussen» ins «Innere».[5]

Dieses Prinzip zeigt sich eindrucksvoll in einem der grössten und komplexesten geplanten, jedoch noch unvollendeten Innenräume des Roden Crater: der Fumarole. Schematisch zwischen Crater-Zentrum (Crater’s Eye) und östlichstem Punkt (East Space) angelegt, bildet die Fumarole den Haupteingang zum Krater. Eine Treppe führt den vulkanischen Schlackenkegel hinauf zu einem Raum, der nahezu vollständig im Vulkan verborgen ist. In diesem befindet sich eine kugelförmige, an einigen Stellen geöffnete Kammer mit einem Durchmesser von knapp 13 Metern. Wird die Aussentür geschlossen, fungiert die Kugel als Camera Obscura und lässt durch einen Blick in ihre Beobachtungsöffnung im Inneren ein projiziertes Bild der Painted Desert erscheinen. Diesen zentralen Ort, welcher neue Wahrnehmungen von Zeit und Raum ermöglicht, hat Turrell 1998 in dem Modell «Fumarole Space» dargestellt. Häusler Contemporary freut sich, exklusiv das historische Original-Modell aus dem Atelier des Künstlers zu präsentieren, das in vier Teilen seltene Einblicke in die monumentale Architektur ermöglicht. Die Fumarole bildet als Portal zum Roden Crater den ersten Berührungspunkt mit Turrells Projekt – in der Ausstellung verbindet das Modell als Hauptwerk die weiteren Werke auf Papier und die Skulptur zu einem gemeinsamen konzeptuellen Zusammenhang.

Vom Eingang der Fumarole zurückblickend, eröffnet sich ein Panorama auf die beeindruckend weite, farbintensive Wüstenlandschaft der Painted Desert. Zwischen den pflanzlichen und steinernden Strukturen, welche die Erde ockerfarben, rot und schwarz erscheinen lassen, setzt sich der kegelförmige, über 400 000 Jahre alte Krater ab, der «selbst eine beeindruckende Präsenz besitzt.»[6] In zwei farbkräftigen Pigmentdrucken aus dem Jahr 2009, «Blue Sky over Roden Crater» und «Sunset at Roden Crater», erfasst der Künstler das Gefühl auf einem Planeten zu leben – ohne dafür vom Mond auf die Erde zurückblicken zu müssen. Gleichzeitig äussert sich in der beinah unberührten Natur, welche die Werke aufzeigen, Turrells Vorhaben den Vulkan als Ort zu erhalten.

Im Einklang mit der besonderen Topografie des Kraters entsteht seit Baubeginn im Jahr 1997 in dessen Inneren ein einzigartiges sinnliches Erlebnis aus natürlichem und künstlichem Licht. In einer Reihe komplexer Bauphasen wurden das Crater’s Eye, die South Lodge und der Sun and Moon Space samt Verbindungstunnel verwirklicht; mit dem nach Nordosten verlaufenden Alpha East Tunnel, seiner Anbindung an den zentralen Kraterraum und dem Alpha East Tunnel Portal entstand ein wesentliches Erschliessungssystem innerhalb des Roden Crater.[7] Da der Roden Crater bislang nicht zugänglich ist und sich weiterhin im Ausbau befindet, bieten Turrells topografischen Pläne einen Zugang zu seiner Struktur. Der grossformatige Inkjet Blueprint «Roden Crater Site Plan» (2021), die Blattgold-Skulptur «Roden Crater Site Plan along the Summer Solstice Axis» (2024) und die jüngste Werkserie auf Papier aus dem Jahr 2025, in welchen die Pläne erstmals mit Turrells Gehirnscan überzogen werden, sind Zeugnisse eines seit über 50 Jahren in Planung und Umsetzung befindlichen Gesamtkunstwerkes.

Im Roden Crater kulminieren Architektur, Land Art, Astronomie, Physik, Erdwissenschaften, Medizin, Wahrnehmungspsychologie, Kunstgeschichte und Mystik[8] zu einem Lebenswerk, zu Turrells Opus Magnum. In ihm finden Erkenntnisse früher Experimente – beispielsweise aus dem Art and Technology Programm – und verschiedene Werktypen wie Projection Piece, Skyspace oder Ganzfeld eine Zusammenführung. In der Ausstellung verdeutlicht dies das Mappenwerk «Deep Sky» (1984), das in Zusammenarbeit mit dem renommierten Zürcher Kupferdrucker Peter Kneubühler entstand. Die siebenteilige Aquatinta stellt in fein nuancierten, dunkelgehaltenen Flächen Naturlandschaften und Abstraktionen von reinem Licht und Schatten dar. Das erste Blatt hält dabei motivisch den Krater vor sternenübersäten Nachthimmel fest, während ein weiteres Blatt einen in den dunklen Raum fallenden Lichtstrahl zeigt und Bezüge zu den wegweisenden Shallow Space Constructions Ende der 1960er Jahre herstellt.

James Turrells Kunst ist existenziell, greift sie den Ursprung allen Lebens auf: Himmel, Erde, Licht. Im Roden Crater werden uns oftmals verborgene und nicht greifbare Phänomene nahegebracht, die durch Turrells Himmelsobservatorium und die menschliche Wahrnehmung sichtbar werden. Die Ausstellung «James Turrell. Opus Magnum: Roden Crater» ermöglicht über die eigenständigen künstlerischen Arbeiten, die im Zuge des Projektes entstanden sind, einen intimen Zugang zum Roden Crater: «In meiner Arbeit wird deutlich, dass der Akt der Beobachtung Farben und Raum erzeugen kann. Aber es ist nie nur ein Eindruck, den man erhält, die Augen erleben das Licht tatsächlich in seiner körperlichen Präsenz, und es ist auch präsent.»[9] JAMES TURRELL

(Susanne Kirchner)



[1] Zit. n. James Turrell, in: “Looking at the light”, in: Ana Maria Torres (Hrs.), James Turrell, Institut Valencia d’Art Modern, Valencia 2004, S. 15.

[2] Zit. n. James Turrell, in: ebd.

[3] Zit. n. James Turrell, in: Michael Rotondi, Eine Reise in die Wüste, The Painted Desert, in: Peter Noever (Hrsg.), The other horizon, MAK Wien 1998/1999, S. 188

[4] Zit. n. James Turrell, in: ebd., S. 156

[5] Vgl. Michael Govan, Inner Light. The Radical Reality of James Turrell, in: Michael Govan, Christine Y. Kim (Hrsg.), James Turrell, Katalog zur Ausstellung “James Turrell. A Retrospektive, LACMA, Los Angeles 2013, S. 16

[6] Zit. n. James Turrell, in: The other horizon, S. 156

[7] Die Fumarole Spaces, der South Space und North Moon Space und die am Rand des Nebenkraters liegenden Räume, beispielsweise der East Space und das Amphitheater, werden in späteren Bauabschnitten realisiert. Vgl. ebd., S. 156.

[8] Vgl. Linda Schädler, Vorwort, in: Linda Schädler (Hrsg.), James Turrell. Licht in Raum und Papier, Tagungsband der Ergebnisse des Symposiums «James Turrell. Light in Space and Prints» vom 5./6. September 2024, im Rahmen der Ausstellung «Licht im Papier. Die Druckgraphik von James Turrell», Graphische Sammlung ETH Zürich, Zürich 2025, S. 14

[9] Zit. n. James Turrell, in: The other horizon, S. 180

  • James-Turrell_Exhibition_Opus-Magnum-Roden-Crater_2026.pdf
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